Isabell goes USA – or rather: has returned from…

Hier lässt uns unsere Schülerin Isabell, die gerade ein Schuljahr in den USA verbringt, gelegentlich an ihren Erfahrungen im land of the free teilhaben…

Unerwartet herausgerissen aus dem großen Traum

Es ist auf der ganzen Welt gegenwärtig das Thema – das Coronavirus. Dass es aber Einfluss auf mein Auslandsjahr haben würde, habe ich bis vor Kurzem nicht gedacht.

Anfang letzter Woche erhielten alle PPP/CBYX-Stipendiaten und Stipendiatinnen die erste eMail mit Neuigkeiten über COVID-19. Darin stand geschrieben, die Priorität des U.S. Departments of State und des deutschen Bundestages sei die Gesundheit und das Wohlergehen der Austauschschüler und wir würden über Änderungen informiert werden, die unseren Aufenthalt betreffen. Folglich gab es in Gruppenchats schon einige Diskussionen darüber, was passieren könnte. Doch zu viele Gedanken machten wir uns nicht und der Alltag ging ganz normal weiter.

Einige Tage darauf wurde unsere größte Besorgnis allerdings zur Realität. Die Ersten empfingen die Nachricht, dass die beiden Regierungen sich dazu entschieden haben, alle Stipendiaten und Stipendiatinnen nach Hause zu schicken. Es wurde uns vermittelt, dass keine Ausnahmen gemacht werden würden und wir trotz nicht Vervollständigung des Jahres die volle Anerkennung erhalten würden. Die Kommunikation zwischen den Organisationen und den Regierungen sowie mit den betroffenen Austauschschülern und deren Gastfamilien war mangelhaft, weswegen die folgenden Tage chaotisch waren. Rückflüge waren zum Teil schon am nächsten Tag und die Informationen zum Flug sehr kurzfristig, weshalb das Packen unmittelbar erledigt werden musste.

Bevor ich die eMail persönlich kriegte, konnte ich es nicht wahr haben. Am darauffolgenden Tag fand ich heraus, dass mein Flug in weiteren drei Tagen sei. Ich, sowie viele andere, wurde ohne Vorwarnung aus meinem langersehnten Traum herausgerissen. Die letzten Tage und die frühzeitigen, unerwarteten Verabschiedungen waren herzzerreißend. Dennoch ist uns, glaube ich, allen bewusst, dass dies notwendig war. Die ersten Reaktionen der Stipendiaten und Stipendiatinnen und deren Gastfamilien waren, dass es unfair sei und dass es gefährlicher sei uns zurückzuschicken als uns in den Staaten verweilen zu lassen. Doch mittlerweile werden auch alle anderen Austauschschüler auf der ganzen Welt ins Heimatland zurückgeschickt; viele entscheiden sich selbst dazu, zu gehen, da dieser Virus nun mal neuartig ist und man nicht weiß, wie lange er andauert und wann die Einreiseverbote wieder aufgelöst werden. Selbstverständlich ist es hart, dass das Ende des Auslandsjahres nicht so verlaufen ist, wie man es sich vorgestellt hatte, denn man hatte schließlich noch so viele Pläne und war auch einfach noch nicht bereit zu gehen.

Aber eine Situation wie diese erfordert solche Maßnahmen. Wir sind alle von dieser Pandemie betroffen und wir sollten deswegen auch alle versuchen, die Kurve zu flachen. Selbst wenn ich nach sieben Monaten gerne meine Freunde wiedersehen würde, ist mir bewusst, dass ich zuhause bleiben muss. Denn es kommt auf jeden Mensch an und das Ziel ist, dass die Zahl der Infizierten zurück geht. COVID-19 muss von jedem ernst genommen werden, deshalb ist mein Appell an dieser Stelle: Wascht euch die Hände und bleibt zuhause, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt.

Die amerikanische High School – Allgemeine Informationen

Wie auch in Deutschland sich das Schulsystem von Bundesstaat zu Bundesstaat unterscheidet, unterscheiden sich in Amerika die High Schools. Beispielsweise gibt es Schulen, an denen man die Möglichkeit hat, seine Fächer jedes Quartal oder Semester neu zu wählen. Dahingegen bleiben meine Schulfächer in der Centennial High School, die sich in Howard County in Maryland befindet, das ganze Jahr über gleich. Auch die Uhrzeiten, zu denen der Unterricht beginnt und endet, sind verschieden. Allgemein wird immer gesagt, dass das schulische System in den Vereinigten Staaten einfacher sei als in Deutschland. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass man das Schulwesen der beiden Länder nicht vergleichen kann und deswegen auch nicht bewerten kann, welches besser sei. Die größten Unterschiede werde ich deshalb in den nächsten Blogbeiträgen erklären.

Zum Einen werden die Schüler nicht nach der Grundschule basierend auf ihrem Notendurchschnitt in verschiedene Schulen aufgeteilt und Schulpflicht ist ebenfalls nicht nur bis zur 9.Klasse, wie es in Deutschland der Fall ist. Stattdessen gibt es eine elementary school (die Grundschule), eine middle school (5.-8.Klasse) und eine high school (9.-12.Klasse). Dabei ist jeder ist verpflichtet, alle drei Schulstufen zu belegen, um einen Abschluss zu erlangen.

Aus diesem Grund vergleichen die meisten Deutschen die amerikanischen Schulen mit den Gymnasien, die größtenteils auch bis zur zwölften Klasse gehen. Anstelle des Abiturs gibt es hier aber kostenpflichtige Tests, sogenannte SATs (scholastic assessment tests), welche das Niveau des Schreibens, des Lesen und das der mathematischen Fähigkeiten der Schüler messen. Die Prüfungen finden außerschulisch und während der 11. Jahrgangsstufe statt. Mit dem Resultat bewirbt man sich anschließend auf das College. Außerdem ist es erwähnenswert zu sagen, dass der Distrikt, in welchem man lebt, dafür verantwortlich ist, auf welche Schule man geht und dass es Schulbusse gibt, welche die Schüler zu einer gegebenen Zeit abholen und zur Schule bringen.

Persönlich glaube ich jedoch folgendes: Das Vorurteil, die Schule sei in den USA einfacher als in Deutschland, liegt an Wahl der Fächer. Da ich auf dieses Thema genauer eingehen möchte, werde ich dazu einen separaten Blogbeitrag erstellen.

Deutscher Besuch

Nach 9 Wochen lang Schule und ebenso langer Zeit nur Englisch Reden erhielt ich die Chance, mich am 7. November mit meinem deutschen Klassenkamerad Vincenz Kammerl in Washington D.C. zu treffen. Zusammen verbrachten wir einen guten halben Tag in der Hauptstadt des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten.

Zunächst spazierten wir ein wenig durch die National Mall, wobei das Washington Monument und das Capitol als kleine Zwischenstopps gedient haben. Vorbei an der Nationalgalerie der Kunst und am nationalen Skulpturengarten ging’s dann weiter zum Mittagessen. Bei der Auswahl des Restaurants waren wir uns beide sofort einig: eines, in welchem Pizza serviert wird. Bestens gestärkt verließen wir das Restaurant, welches auch schon ins Weiße Haus geliefert hat.

Am Edgar Hoover Building (FBI Hauptzentrale) vorbei und nach kurzer Besichtigung des U.S. Naval Memorial konnte ich mein in der Schule gelerntes Wissen aus dem History AP und U.S. Government Honors (in Amerika werden die Schüler nach der 4. Klasse nicht in Schulen mit unterschiedlichem Niveau aufgeteilt; stattdessen können sie das Niveau ihrer Klassen individuell wählen) Kurs gebrauchen, um Vincenz bei unserem Besuch in der nationalen Verwaltungsstelle für Archiv und Unterlagen die 1. Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika genauer zu erklären. Abschließend schlenderten wir nochmal ein wenig durch die National Mall und tauschten noch ein paar Neuigkeiten aus.

Obwohl ich mich an die neue Kultur gewöhnt habe, war es eine schöne Abwechslung, mal wieder meine Muttersprache mit einer vertrauten Person zu sprechen, die meine eigene Kultur und somit mich besser versteht. Denn egal wie viel man erlebt, lernt und sieht, es ist zu Hause schließlich doch immer am schönsten.

Heimweih?

Um ehrlich zu sein, hätte ich, bevor ich in die USA gekommen bin, nicht gedacht, dass ich Heimweh bekommen würde. Denn ich habe davor schon Reisen ins Ausland ohne meine Familie unternommen. Mal ein Austausch mit der Schule, mal Fahrten mit dem Kreisjugendring Straubing, bei denen ich mehr oder weniger alleine war und dazu gezwungen war, meine Komfortzone zu verlassen und neue Bekanntschaften zu machen.

Zusätzlich war dieses Jahr schon lange mein Traum und ich war davon überzeugt, dass ich es ohne Schwierigkeiten meistern würde. Doch schon bald habe ich gemerkt, dass meine Familie und meine Freunde immer ein unsichtbares Schutznetz für mich waren, das nun nicht mehr da war. Auch wenn man sich als Austauschschüler/in, vor allem in meinem Alter, bewusst ist, dass dies ein großer Teil einer solchen Erfahrung ist, ist es nicht immer leicht. Es gibt Situationen, da sehnt man sich danach, wieder zu Hause sein zu können – auch wenn man es davor nicht erwartet hat.

Für viele passiert das um die Weihnachtszeit, die man sonst immer mit seiner Familie verbracht hat oder auch, wie es bei den meisten deutschen Austauschschülern der Fall ist, während der man regelmäßig mit Freunden auf den Christkindlmarkt gegangen und somit in Weihnachtsstimmung gekommen ist. Doch auch der Winter spielt eine Rolle, da man weniger Vitamin D aufnimmt und bei den kurzen Tagen und meist schlechtem Wetter weniger Motivation hat. Daher zieht sich diese Zeit besonders lange. Ob das Heimweh dadurch ausgelöst wurde oder spontan, wenn man sich beispielsweise an die Kochkünste der Mama erinnert, es kann es schwierig sein, damit umzugehen.

Allerdings gibt es Lösungen, denn schließlich hat man nur eine begrenzte Zeit hier und will sie am besten nutzen. Mir hat meine Gastfamilie in solchen Momenten Kraft gegeben und es hilft, wenn man mit Leuten redet, die einen verstehen, z. B. der Exchange Community, denn man merkt, dass sich auch andere Austauschschüler in dieser Situation befinden und man selbst nicht alleine ist. Letztendlich vergeht das Heimweh wieder. Daraufhin schätzt man sich glücklich, von einem neuen Schutznetz aufgefangen worden zu sein, das aus einer diversen und doch so gleichen Gemeinschaft besteht, die hoffentlich für ein Leben lang bleibt.

AFS Baltimore Area Team mit Mitgliedern aus der ganzen Welt bei einer sogenannten Mid-Year Orientation

Feiertage

Abgesehen von den Reisen, die man unternehmen wird, einer zweiten Familie, neuen Freunden und den Erfahrung in einer amerikanischen Schule, freut man sich als Austauschschüler/in besonders auf die Feiertage. Für viele Jugendliche, einschließlich mir, die sich für den Weg, ein Jahr in einer anderen Kultur zu verbringen, entscheiden, ist dies nämlich das erste Jahr, in dem man Weihnachten nicht mit seiner eigenen Familie verbringt. Aber es ist auch interessant, neue Feiertage zu entdecken und mitzuerleben. Dazu gehört in den Vereinigten Staaten Thanksgiving – das amerikanische Erntedankfest, das jährlich am vierten Donnerstag im November gefeiert wird.

Vor Thanksgiving muss viel geplant werden, da dieser Tag meistens mit der gesamten Familie verbracht wird und dies wurde mir erst so richtig beim Lebensmittel-Einkaufen bewusst. Denn der Einkaufswagen wird ganz schön voll, wenn 20 Leute, wie es bei meiner Gastfamilie der Fall war, aus ganz Amerika angereist kommen.

Doch es geht an diesem Tag nicht nur um ein gemeinsames Abendessen, das aus Truthahn und leckeren Beilagen wie stuffing und Kartoffelbrei und Pie als Nachspeise besteht. Es geht darum, dankbar zu sein. Denn der Grund, warum Thanksgiving gefeiert wird, ist, dass die Kolonisten, die von England nach Amerika gekommen sind, mit Hilfe der Ureinwohner den Winter überlebt haben. Dass die Amerikaner dankbar für das tägliche Essen auf dem Tisch, Freunde, Familie und vieles mehr sind, sagen sie an diesem Tag ganz offen und unter Jugendlichen werden Fotocollagen mit Bildern von Familie und Freunden und mit der Aufschrift „thankful“ auf sozialen Medien gepostet.

Zusätzlich treffen sich manche im kleineren Kreis für ein „Friendsgiving“. Doch in jeder Familie gibt es auch geschlossene kleine Traditionen, z. B. ein 10 km-Lauf oder Spaziergang am Morgen, um den Hunger aufzubauen und dafür vorzusorgen, dass man sich nach dem großen Abendessen nicht allzu viel
Sorgen, um sein Gewicht macht.

Halloween und Weihnachten sind dagegen nicht ganz so verschieden. Allerdings wird in den Staaten viel mehr dekoriert als in Deutschland. An Halloween sieht man riesige aufgeblasene Kürbisse oder Grabsteine im Gärten in den Suburbs und um die Weihnachtszeit stehen menschengroße Nussknacker vor den Haustüren der blinkenden Häusern. Anders als in Deutschland wird hier der Nikolaustag nicht gefeiert. Außerdem öffnen die Amerikaner, die Weihnachten zelebrieren, die Geschenke nicht an Heiligabend, sondern am ersten Weihnachtsfeiertag.

Da manche Teile Amerikas diverser sind als Deutschland, habe ich auch viel über das jüdische Fest Hanukkah und das afroamerikanische Fest Kwanzaa gelernt, das ungefähr zur selben Zeit wie Weihnachten stattfindet. Auch wenn es nicht immer leicht ist während dieser Zeit nicht bei seiner eigenen Familie zu sein, erfährt man durch die Feiertage viel über verschiedene Kulturen und Traditionen und man wächst mit seiner Gastfamilie und seinen Freunden, vor allem den anderen Austauschschülern aus allen Teilen der Welt, noch ein Stückchen mehr zusammen.

Mein erstes großes Abenteuer – Marching Band

Dreieinhalb Wochen bevor die Schule in Ellicott City, Maryland angefangen hat, habe ich den ersten Schritt in das Land der Freiheiten gesetzt und damit ist mein langersehnter Traum endlich wahr geworden.

Zuvor habe ich mich gefragt, was ich in der verbliebenen Zeit bis zum ersten Schultag unternehmen werden würde. Vor allem in der Zeit, in der ich noch niemanden kenne und meine Gasteltern arbeiten müssen. Doch diese Frage hat sich für mich schnell gelöst. Denn in den ersten eineinhalb Wochen war die ehemalige Austauschschülerin meiner Gastfamilie, die aus Stuttgart kommt, mit ihrer Familie zu Besuch. Dies verschaffte mir die Möglichkeit mit ihnen zu reisen (Reiseziele waren zum Beispiel Baltimore, Washington D.C., Mount Vernon, das Grundstück des 1. amerikanischen Präsidenten George Washington; etc.), persönliche Erfahrungen zu teilen und eine durch die gemeinsamen Interessen und ähnlichen Persönlichkeiten starke Freundschaft zu knüpfen.

Diese Erlebnisse gleich am Anfang meines Auslandjahres waren sehr prägend für mich, doch erst danach hat ein wichtiger Teil für mich begonnen. Ich habe mich nämlich für die Marching Band an meiner Schule, der Centennial High School, durch Videoauditions qualifiziert. Zwei Wochen vor Schulbeginn hat das sogenannte Marching Band Camp angefangen, das sich montags bis freitags entweder von 13-21 Uhr oder von 15-21 Uhr ereignete. Dort wurden die ca. 150 Teilnehmer am ersten Tag getestet, ob wir die erforderlichen Stücke (das Thema ist Journey, deshalb spielen wir die drei Showsongs Don’t Stop Believin‘, Open Arms und Any Way You Want It, sowieso die amerikanische Nationalhymne, den NFL-Themesong und den Footballfight-Song) auswendig gelernt haben, danach haben wir bei prall herabscheinender Sonne am Schulparkplatz gelernt zu marschieren und gleichzeitig zu spielen.

Ich muss zugeben, es war nicht leicht, aber könnte ich mich im Nachhinein noch mal entscheiden, würde ich es wieder nehmen. Es hat mir eine Menge gebracht, z. B. habe ich gleich am Anfang wunderbare Freunde gefunden. Dadurch hatte ich es am ersten Schultag und allgemein seitdem sehr leicht. Wegen den freundlichen und offenen Menschen, die ich kennengelernt habe, und wegen meiner wunderbaren und kulturoffenen Gastfamilie, fühlte ich mich schon von Anfang an, als würde ich dazu gehören. Als wäre dieser Platz schon immer für mich bestimmt gewesen.

Außerdem hat es mir in der kurzen Zeit geholfen, meine Fähigkeiten im Spielen der Trompete zu verbessern, sodass mein Musiklehrer und Marching-Band-Leiter David Matchim, der im Jahr 2018 den Music & Arts Music Educator of the Year Award erhalten hat, mich in die Band mit einem höheren Niveau eingeladen hat.

Nun ist mein großes Ziel für dieses Jahr, mich durch Herausforderungen in Symphonic Winds, was der Name der Band zu der ich gewechselt bin, ist, und durch die kommenden Footballspiele, bei denen wir auftreten werden, noch mehr zu verbessern. Ich bin gespannt, welch weitere Möglichkeiten mir dieses erste große Abenteuer bietet und welche Erfahrungen noch auf mich zukommen. Schließlich ist das erst der Anfang.